
ES LEBE DAS VORURTEIL Gedruckt wird, natürlich, im Offset. Denn das, was man mit viel Aufwand, Herzblut und Kreativität gestaltet hat, soll schließlich so schön wie möglich zu Papier gebracht werden. Da muss die Tiefe des Bildes ebenso stimmen wie die Leuchtkraft der Farbe, da darf auch in der feinsten Strichzeichnung kein Detail verloren gehen, da muss jede Nuance stimmen. Grafiker, Typographen, Gestalter sind die kritischste Klientel der Druckbranche. Und sie halten – darf man das so sagen? – besonders hartnäckig an ihren Vorurteilen fest. Vor allem, wenn es um Druckverfahren geht. „Vor zehn Jahren“, sagt Lars Harmsen, „hatte ich meine erste und bis vor kurzem letzte Begegnung mit dem Digitaldruck.“ Das Urteil damals: Streifen im Druckbild, schlechte Flächendeckung, speckige Oberfläche, keine Tiefen, Abriss in hellen Bildbereichen – Rechnungen kann man damit vielleicht drucken, aber keine Bücher oder Zeitschriften. Erst recht keine, die Design und Gestaltung zum Thema haben. Nichts also, womit man sich weiter befassen müsste. Ende der Diskussion.
AUFTRITT OCÉ Ohne Gerhard Erdmann wäre die Geschichte an dieser Stelle zu Ende. Erdmann, Systems Consultant bei Océ, überredet Lars Harmsen im Herbst 2005, die Daten der ersten Slanted-Ausgabe für den Digitaldruck zur Verfügung zu stellen. Auf der Fachmesse „Druck + Form“ in Sinsheim will Gerhard Erdmann beweisen, dass Farb- und Schwarzweiß-Systeme von Océ für den Druck kleiner Auflagen die bessere Alternative sind: qualitativ dem Offsetdruck ebenbürtig, aber kostengünstiger und flexibler.
Qualität! Als Harmsen die ersten Druckmuster in die Hand bekommt, ist er überrascht und begeistert. Die Qualität hat sich extrem verbessert, sagt er und wirft die alten Vorurteile über Bord. Es gibt keinen Druckpunktzuwachs („98 Prozent schwarz sind auch wirklich 98 Prozent und eben keine 100“), die Modulation ist fast besser als im Offsetdruck, vom speckigen Glanz früherer Zeiten ist nichts mehr übrig, das Farbbild ist brillant, die Papierauswahl lässt keine Wünsche offen – Typograph, was willst Du mehr?
Flexibilität!
Vor allem das einfache, flexible Handling hat es dem gelernten Druckvorlagenhersteller angetan. Anders als beim Bogen-Offset wird im Digitaldruck direkt auf das Endformat gedruckt. Zumindest bei einer Klebebindung entfällt dadurch das Umrechnen der Seiten auf den Bogen, die Verteilung der Farb- und Schwarzweiß- Seiten im Buch wird nicht mehr länger von der Technik definiert. „Im Offset habe ich die Wahl, wegen einer einzigen Farbseite einen ganzen Bogen farbig zu drucken oder mich bei der Gestaltung aus Kostengründen der Technik zu unterwerfen.“ Man merkt Lars Harmsen an, dass ihm beide Alternativen gegen den Strich gehen. Beim Digitaldruck muss Harmsen ganze vier Schwarzweiß- Seiten – der farbigen Vorderseite wegen – auf der Farbmaschine drucken lassen. Sie und die übrigen 40 im Heft verteilten Farbseiten werden auf der Océ CPS900 produziert – einem Einzelblattsystem für den Druck auf verschiedene Materialien bis zu A3-Überformat. Die sieben Tonerfarben werden dank der weiterentwickelten Colour Copy-Press-Technologie in einer Qualität aufs Papier gebracht, die unter den Digitaldruckern ihresgleichen sucht und inzwischen auch den direkten Vergleich mit dem Offsetdruck nicht zu scheuen braucht. „Die Farbseiten waren natürlich ein wichtiges Kriterium für unsere Entscheidung, Slanted komplett digital zu produzieren“, sagt Lars Harmsen.
Geschwindigkeit! Der überwiegende Teil der Zeitschrift – die aktuelle Ausgabe umfasst knapp 200 Seiten – wird allerdings schwarzweiß gedruckt. Es versteht sich von selbst, dass auch hier die Ausgabequalität stimmen muss. Und die Geschwindigkeit. Und natürlich das Handling. Eine gewaltige Herausforderung, gewiss. Aber kein Problem. Denn die Océ VarioPrint 6250 druckt nicht nur in Offsetqualität, sie ist zugleich der schnellste Einzelblattdrucker für den Schön- und Widerdruck der Welt. 250 bedruckte A4-Seiten pro Minute, 70 Prozent schneller als jeder andere Einzelblatt-Duplex-Drucker auf dem Markt.
Handling! Was den Broschürenmacher aber mindestens ebenso freut: Die VarioPrint 6250 besticht durch hundertprozentige Registerhaltigkeit und ein ausgefeiltes Materialhandling. Bei der Produktion der Slanted bedeutet das ganz konkret: Aus insgesamt zwölf Papierfächern können sowohl unterschiedliche Papiersorten für den Schwarzweißdruck eingezogen als auch die vorgefertigten Farbseiten an der richtigen Stelle zugeschossen werden – auf dem kalten Papierweg, wie der Fachmann sagt. Der gesamte Prozess wird einmal programmiert und läuft dann komplett automatisch ab. Ein Einzelblattdrucker für den Schön- und Widerdruck, der zugleich Sortiermaschine ist. Wunderbare Welt des Digitaldrucks.
NOCHMAL: DIGITAL ODER ANALOG? Sie sehen: Es wird immer schwieriger, eine exakte Antwort auf die Frage zu geben, bis zu welcher Aufl age sich der Digitaldruck rechnet, wenn wirklich alle Aspekte in die Kalkulation einbezogen werden. Fakt ist: Die Einrichtungskosten für den digitalen Druckprozess sind deutlich geringer als beim Offsetverfahren. Damit lassen sich beispielsweise Nachdrucke jederzeit ohne nennenswerten Aufschlag realisieren. Wer nicht mehr druckt, als benötigt wird, braucht keine Zeitschriften ins Altpapier zu geben. Auch das überlegene Handling bei vergleichbarer Qualität macht den Digitaldruck attraktiv. Sie möchten dennoch konkrete Zahlen? Also gut: Slanted hat eine durchschnittliche Aufl age von immerhin 2000 Exemplaren. Früher ein klarer Fall für den Offsetdruck. Früher. |