„Die Klage über die Schärfe des Wettbe- werbs ist in Wirklichkeit nur eine Klage über den Mangel an Einfällen "– der in diesem Zitat* enthaltene Vorwurf geht an der Ruhfus-Gruppe glatt vorbei. Seit dem Jahr 2000 konzentriert sich der alteinge- sessene Dortmunder Unternehmensver- bund mit rund 50 Beschäftigten voll auf das angestammte Geschäft mit der regio- nalen Außenwerbung und auf den Digi- taldruck (s. Porträt). Wilfried Ruhfus,
Mitinhaber und Diplom-Kaufmann, be-
gründet die Fokussierung der Kräfte
folgendermaßen: „In den letzten Jahren haben wir einige unserer stark diversifizierten Aktivitäten stillgelegt. Dabei war der Abschied vom konventio-
nellen Endlos-Offsetdruck die einschnei- dendste Maßnahme. Im Gegenzug wur- den die profitablen und zukunftsorientier- ten Bereiche ausgebaut." Deshalb widmet sich die Ruhfus Druck + Medien GmbH +Co.KG heute dem Digitaldruck. Mit allen Konsequenzen. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Drucktechnik und Software von Océ und Papierverarbei- tungsaggregate von Hunkeler. Know-how und Fertigungsspektrum des Unterneh- mens sind vielseitig. Der Name Ruhfus steht für personalisierte Postwurfsendun- gen, Informationskarten und sonstige inhaltsvariable Drucksachen, Loseblatt- sammlungen und Handbücher, Bedie- nungsanleitungen und Packungsbeilagen.
Dabei konzentriert man sich auf Aufträge, die von einer gewissen Kontinuität im Bedarf der Kunden und der Tatsache gekennzeichnet sind, dass es sich nicht gerade um Kleinauflagen handelt.
Neue Druckkonzepte bedeuten mehr als nur drucken Im Spannungsfeld von Kostenoptimie- rung, Qualität und Terminen bietet das Unternehmen eine Dienstleistung an, deren Vorteile für die Auftraggeber sich mit den Begriffen Printing-on-Demand, Just-in-time-Fertigung und Fullservice umreißen lassen. Dass nur drucken auch unter digitalem Vorzeichen nicht genügt,
ist für Wilfried Ruhfus und Heinz-Dieter Degelmann, den Geschäftsführer von Ruhfus Druck + Medien, keine neue Erkenntnis. Schon zu konventionellen Endlosdruckzeiten schloss die Leistungs- palette beispielsweise Konfektionierung und portooptimierten Versand von Info- post ein. Genauso wird dem Wunsch der Kunden nach grafischer Gestaltung und Layout oder der kompletten buchbinderi- schen Verarbeitung von Handbüchern Rechnung getragen. Bei diesen besonde- ren Qualifikationen setzt der Druck- dienstleister auf Kooperationen mit be- währten Partnern und konzentriert sich auf seine Kompetenzen. Angesichts des stetigen Wandels der konkreten Marktbe- dürfnisse erscheint dies sehr vernünftig.
Bezüglich der im eigenen Hause verfügba- ren Produktionstechnik stellt sich für Wilfried Ruhfus keine „Henne-Ei-Frage ": Erst wenn Auftragsklassen und -potenziale definiert und mit Kunden erste konkrete Ver träge abzuschließen sind, wird die An- schaffung geeigneter technischer Ressour- cen angegangen. Bei aller Faszination an der modernen digitalen Technik bleibt der erfahrene Unternehmer pragmatisch. Ins Blaue zu investieren,um anschließend auf Aufträge zu hoffen, das steht für ihn nicht zur Debatte. Deshalb sind Art und Konfi- guration der Digitaldrucklinie bei Ruhfus Druck + Medien kein Zufall. Sie wurde darauf ausgelegt, regelmäßig laufende Standardprodukte so weit wie möglich komplett inline zu fertigen. In einem klimatisierten Umfeld mit direkt angren- zendem Papierlager installiert, ist die Pro- duktionsstraße in einen rationellen und stringenten Materialfluss eingebunden. Die Anlage bedruckt und verarbeitet Rol- lenpapiere, die das Unternehmen in allen gängigen Gewichtsklassen bis 180 g/m² und mit Bahnbreiten bis 480 mm ein- setzt. Manche Aufträgen erfordern die Verwendung von Preprint-Material, das im (UV-)Offsetdruck mehrfarbig vorbe- druckt wurde. Ein Duplexsystem vom Typ Océ Pagestream 880 Twin mit rechtwink- liger Anordnung der elektrofotografischen Druckeinheiten sorgt für hohe Leistung (z.B.880 DIN A4-Seiten/min) und Flexi- bilität beim Digitaldruck.
Die Zuführung der Papierbahn erfolgt über ein Abrollmodul UW4, welches ebenso von der Firma Hunkeler stammt wie nach den Océ-Druckeinheiten die Module für das Zwischenspeichern (WB4), Längs-und Querschneiden (CS4-W) und Abstapeln (LS4) des Papiers. Sollten künf- tige Aufträge schneller oder nach zusätz- lichen Inline-Finishing-Funktionen verlan- gen, werden sich diese dank modularem Aufbau von Hunkeler noch flexibel in die Produktionslinie integrieren lassen. Wilfried
Ruhfus macht keinen Hehl daraus, dass die Entscheidung für die Papierhand- ling-und Finishingmodule des Schweizer Herstellers durch die guten Erfahrungen mit beeinflusst wurde, die das weltweit tätige Unternehmen schon zu Endlos- Offset-Zeiten mit Hunkeler-Papierverar- beitungsmaschinen sammelte.
Und was hat den Ausschlag für die Océ- Digitaldrucktechnik gegeben? In tech- nischer Hinsicht das gestochen scharfe, konstante Druckbild des elektrofotografi- schen LED-Tonerdruckverfahrens und dessen visuell wirksame Auflösung. Au- ßerdem die Offenheit der Océ PRISMA PoD-Software, die das Digitaldrucksystem ansteuert, für IPDS-bzw.AFP-Daten- ströme aus der Hostrechner-Welt und selbstverständlich für die allgegenwärtigen PDF-und PostScript-Dateien. Und nicht zuletzt die eleganten Ausschießmöglich- keiten des PRISMA-Softwaremoduls Professional Document Composer. In diesem Zusammenhang bemerkt Heinz- Dieter Degelmann:„Unkompliziertes Datenhandling und einfache Anwendung der Software haben für uns einen hohen Stellenwert. Sämtliche Komponenten sollen ohne Programmierkenntnisse zu bedienen sein." All dies sind Faktoren, die Ruhfus bei einem früheren Digitaldruck- Engagement mit einem magnetografisch arbeitenden Drucksystem vermisst hat.
Aufgrund dieser Erfahrung wünscht sich der Druckdienstleister auch einen Liefe- ranten, der solide ist.Solide genug, dass er morgen,wenn vielleicht neue Aufträge zusätzliche Farbdruckmöglichkeiten er- fordern, noch besteht und diese Features tatsächlich bieten kann.Oder übermorgen das bestehende System in puncto Druck- auflösung oder Geschwindigkeit aufrüstet. Solider Partner gefragt. Was dies betrifft, fühlt man sich bei der Océ-Deutschland GmbH bestens auf- gehoben.„Wir können uns auf Océ ver- lassen ", sagt Heinz-Dieter Degelmann, „auch wenn Produktionsumstellungen zusätzliche Programmierarbeiten für die Übernahme oder das Mergen von ver- schiedenen Datenströmen erfordern,neh- men wir die Hilfe von Océ in Anspruch. Da kann es schon vorkommen, dass die Programmierer das Wochenende über arbeiten, damit wir termingebundene Aufträge pünktlich durch bekommen."
Nicht minder wichtig ist die Kunden- dienst-Unterstützung. Die Digitaldruck- linie bei Ruhfus steht unter der Anforde- rung einer maximalen Produktionsverfüg- barkeit an allen Tagen der Woche und zu jeder Tageszeit. Nicht nur, dass der
Geschäftsführer der Océ Pagestream 880 Twin eine von Haus aus hohe Zuverlässig- keit attestiert,auch das Océ-Servicenetz funktioniert vorbildlich:„Immer wenn es darauf ankommt,ist kurzfristig ein Kundendiensttechniker zur Stelle, der das vorliegende Problem bereitwillig und kompetent behebt."
Die Betreuung,die Ruhfus Druck + Medien von Océ erfährt,geht noch wei- ter: sie reicht bis zur Beratung bezüglich der marktorientierten Umsetzung des Geschäftsmodells. Dabei wissen es die Dortmunder Fachleute zu schätzen, dass Océ die originären Funktionsweisen und Geschäftsprobleme der grafischen Branche aus langjähriger Erfahrung kennt.
Konsequente Vermarktung der Möglichkeiten – für den Erfolg von morgen Aufgeschlossene Druckdienstleister unter- stützt die Océ-Deutschland GmbH mit einem Business Innovation Process, der eine systematische Anleitung für strategi- sches Entscheiden und Handeln gibt (s. u.). Eine dieser flexibel anzuwendenden
Prozessstufen ist die Vermarktung.
Statt die eigenständige Digital- druck-Dienstleistung,wie anderweitig oft genug der Fall, als „technische Material- schlacht " an den Markt zu tragen, kommuni- ziert Ruhfus Druck + Medien die Vielfalt der Möglichkeiten unter Betonung des konkre- ten Kundennutzens. So werden diverse Marktsegmente (wieder) erschlossen. Beispielsweise Verlage. Da in früheren Zeiten auch ein Telefonbuchverlag zum Haus gehör-
te, weiß man um die Bedürfnisse dieser Kundengruppe. Die Konfiguration der Digitaldruckanlage lässt die On-demand- Produktion von mannigfaltigen Verlags- produkten zu, deren individuelle Weiter- verarbeitung nach Bedarf an verlässliche
Ruhfus-Gruppe: In allen Epochen offen für Neues 1866 gründete Friedrich Wilhelm Ruhfus in Dortmund eine Papiergroßhandlung und Geschäftsbücherfabrik. Als ein typischer Vertreter der Gründerzeitgeneration hatte der Unternehmer keine Scheu vor bis dato unbekannten, aber Gewinn versprechenden Geschäftsaktivitäten. So kam schon im Jahr 1878 die damals völlig neue Außenwerbung dazu. Nach dem Vorbild des Berliner Buchdruckers Ernst Litfaß schloss Friedrich Wilhelm Ruhfus einen Vertrag mit der Stadt Dortmund über die Aufstellung von Plakatsäulen ab. Seitdem bewirtschaftet die Firma Ruhfus die öffentliche Plakatwerbung (z.B. Großflächen, City Lights, Allgemeinstellen, Verkehrsmittelwerbung), in Dortmund und Umgebung.
Das Engagement in so unterschiedlichen Bereichen wie Endlos- bzw. Formulardruck, Außenwerbung, Verlagsgeschäft oder Kunststoffverarbeitung (Kalenderumschläge, Mappen usw.) legte in den Neunziger-jahren des 20. Jahrhunderts die Aufteilung in autark agierende Einzelunternehmungen unter dem Dach einer Holding nahe. Zum Firmenverbund gehört auch die 1961 gegründete Hellweg Werbegesellschaft mbH + Co. KG, die in Büro- und Arbeitsgemeinschaft mit der Ruhfus Außenwerbung die Großflächen-Plakatwerbung abwickelt.
Bis zum Jahr 2003 befanden sich alle Unternehmen der Gruppe im Alleinbesitz der beiden Vettern und Geschäftsführer Thomas und Wilfried Ruhfus. Dann erfolgte eine neuerliche Konzentration auf das Wesentliche. Neben dem einträglichen Geschäft mit der Außenwerbung ist die Ruhfus Druck + Medien GmbH + Co. KG geblieben. Diese hat den Endlosdruck (Offsetverfahren) eingestellt und agiert heute am Markt ausschließlich als Digitaldruck- Dienstleister. Die Frage der Unter-nehmensnachfolge lösten die beiden Vettern Ruhfus über ein klassisches Management-Buy-Out: Inzwischen hält Geschäftsführer Heinz-Dieter Degelmann Anteile an Ruhfus Druck + Medien GmbH + Co. KG und wird das Unternehmen in einigen Jahren vollends übernehmen.
Zulieferer weitergegeben werden kann. Diese Infrastruktur steht. Kleinere Aufla- gen können just-in-time produziert und innerhalb weniger Tage ausgeliefert wer- den. Dieses Angebot kommt Verlagen entgegen, denen die kostspielige Lagerhal- tung von Fertigprodukten und die teil- weise Einstampfung von Restauflagen nicht mehr ins Konzept passt. Auch Ver- packungsbeilagen und Beipackzettel für die Kosmetik-und Arzneimittelindustrie wurden schon während der Endlosdruck- Ära mit Offsetmaschinen gefertigt. Warum diese nicht aktueller und in klei- neren Stückzahlen an der industriellen Produktion entlang fertigen? Ebenfalls aus dem früheren Endlos-und Formulardruck gibt es noch Verbindungen zu Banken und Versicherungen im Umfeld des Trans- aktionsdrucks. Und die technischen Dokumentationen mit ihren heutigen kurzen Aktualisierungszyklen eignen sich selbstverständlich hervorragend für die moderne Produktion. Ist ein Handbuch, das speziell auf die Ausstattung des jewei- ligen Produktes in der richtigen Landes- sprache abgestimmt ist, nicht deutlich nützlicher und kundenfreundlicher als ein unhandlicher Wälzer, der sämtliche Spra- chen dieses Planeten und die Beschrei- bung aller Produktversionen beinhaltet?
Hier gilt es die Potenziale durch eine fundierte Beratung der Zielgruppen zu erschließen. Um die Vermarktung der vielschichtigen Dienstleistung mit der
intelligenten Kernfunktion Digitaldruck kümmern sich der Geschäftsführer und der Firmeninhaber mit persönlichem Einsatz. Schließlich steht und fällt die Akquise mit dem Erreichen derjenigen Person auf der Kundenseite,die nicht nur entscheidet wie und wann gedruckt wird, sondern auch in welcher Auflage. Nur
dann lassen sich die Vorteile klar vermit- teln und die richtigen Lösungen erar- beiten. Die Ansprache der angepeilten Kunden wird selbstverständlich mit Werbemaßnahmen wie Mailings und Nachfassaktionen gestützt – alles gemäß dem Motto „Die Tradition nutzen für neue Druckkonzepte ".
Der Business Innovation Process Die Océ-Deutschland GmbH hat mit dem Business Innovation Process (BIP) eine systematische Methodik für grafische Unternehmen entworfen, die sich auf Dauer erfolgreich im Digitaldruckgeschäft etablieren möchten. Der logisch strukturierte, modular aufgebaute Prozess lässt sich betriebsindividuell anpassen. Er umfasst sechs wesentliche Schritte:
1. Marktkenntnisse sammeln und analysieren:
Das grundsätzliche Erkennen von Markpotenzialen setzt eine genaue Marktbeobachtung, -bewertung und erschließung voraus. Der Druckdienstleister sollte die Situation seiner Auftraggeber erfassen und im Idealfall Lösungsansätze für Probleme mit Verbesserungs-möglichkeiten entwickeln.
2. Auftragsstrukturanalyse: Eine detaillierte Analyse der eigenen Auftrags- und Kun-denstruktur erschließt Digitaldruckpotenziale. Technische Der Business Innovation Process Parameter sind hier fehl am Platz. Wichtig hingegen sind Informationen zur Arbeits-weise der Kunden, zum Zweck der jeweiligen Print-produkte oder Informationen zur Abwicklung und Logistik.
3. Digitaldruckfilter:
Auf Basis der zuvor gewonnen Informationen wird nun jeder Kunde nach gewissen Kriterien hinsichtlich seines Digitaldruckbedarfs unter die Lupe genommen. Dabei spielen die drei Grundnutzen des Digitaldrucks (verbesserte Ansprache von Zielgruppen/ Einzelpersonen, Kosteneinsparung, Vorteile in der organisatorischen Abwicklung) eine zentrale Rolle. Diese Erkenntnisse fließen ab jetzt bei Kundengesprächen ein.
4. Definition der technischen Lösung:
Das mithilfe des Digitaldruckfilters ermittelte Druckvolumen wird nun in der systemtechnischen Planung umgesetzt. Nachdem die Lösung eindeutig definiert ist, folgt eine genaue Kalkulation der produzierbaren Druckerzeugnisse einschließlich der Gestaltung der Preise.
5. Definition strategischer Leistungspakete:
Alle bisher ermittelten Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Kunden werden als darstellbare und verkaufbare Dienstleistungen zu Leistungspaketen geschnürt. Dabei sind selbstverständlich alle im jeweiligen Unternehmen gegebenen Möglichkeiten zu berücksichtigen.
6. Vermarktung der Leistungspakete: Die unter Punkt Fünf entworfenen Leistungspakete gilt es schließlich auch zu verkaufen. Der Druckdienstleister kümmert sich kontinuierlich um die Vermarktung. Mögliche Maßnahmen sind z.B. ge-zieltes Telefonmarketing, Werbemailings (kundengruppenspezifische Muster), Open-House-Veranstaltungen, Direktvertrieb usw.
|