Mit sicherem Gespür Marktnischen identifizieren, für die das digitale Print-on- Demand-Verfahren eine hohe Wertigkeit hat, Technik und Fertigungsabläufe auf die Bedürfnisse dieses Kundenkreises abstimmen und diesen dann zuverlässig mit hoch qualitativen PoD-Produkten bedienen, das sind nach den Erfahrungen des Hammer Unternehmens wichtige Eckpunkte, um mit dem Digitaldruck zu reüssieren. „Wir konzentrieren uns auf Verlage, die umfangreiche Loseblattwerke und Bücher mit kleinen Auflagenstrukturen herausgeben“, erläutert Heinz Reimann. Man wählte die große Frankfurter Buchmesse gezielt als Präsentationsplattform. Alle potenziellen Kunden waren vertreten, alle zeigten sich aufnahmefähig und alle kamen freiwillig, um sich die Prozesse erklären zu lassen. Griebsch & Rochol konnte in der Folgezeit zum bisherigen Kundenstamm einige Fachverlage gewinnen und erreichte inzwischen eine stabile Auslastung des von der Océ- Deutschland GmbH gelieferten Digitaldrucksystems in zwei Schichten.
Ein Fallstrick auf dem Weg zum erfolgreichen Digitaldrucker liegt laut Heinz Reimann in Dumpingpreisen, die sich manche Druckerei vielleicht schon aus Gewohnheit in einer Art vorauseilendem Gehorsam zu Eigen mache. „Tschechische Preise“ könnten den Digitaldruck in die gleiche Situation manövrieren, in der seit Jahren der Akzidenzdruck gefangen sei. „Die innovative Dienstleistung PoD verdient es aber, den wirtschaftlichen Marsch nach oben anzutreten – wenn wir unter Preis abgeben müssten, würden wir nicht drucken.“ Deshalb rät er ab von der fast schon gewohnten Leidenshaltung der Drucker und zu mehr Selbstbewusstsein. Jedoch komme es darauf an, dem Kunden eine ganzheitliche Kostenbetrachtung zu vermitteln, damit sich dieser nicht allein auf den Digitaldruckpreis versteife. Schließlich seien der entfallende Lagerhaltungsaufwand und die raffinierte Systemlogistik bei der Produktion der Aufträge als Kostenvorteile zu berücksichtigen.
Beachtliche Erfolge feiert Griebsch & Rochol folglich bei Verlagen, denen die Pflege der bis zu 20.000 Seiten umfassenden Werke eine erhebliche Kostenentlastung beschert. Die andere Stoßrichtung sind Verlage mit Special-Interest-Titeln, die keine hohen Auflagen haben. Die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit zu einem vernünftigen Preis – bezogen auf den Gesamtpreis für den Titelbezug – zu kommen, ließ viele Kleinverlage aufhorchen. Die hohe Sicherheit gegenüber dem Risiko des Makulierens nicht verkaufbarer Exemplare tut ein Übriges zur Vertrauensbildung.
Passgenaue Qualität Was die qualitativen Anforderungen anbelangt, fasst Olaf Gorniak, bei Griebsch & Rochol als Projektleiter tätig das Wichtigste zusammen: „Bei vielen Produkten kommen verhältnismäßig kleine Schriften vor. Trotzdem ist bei allen Schriftgrößen eine gleichmäßig hohe Schwärzung gefordert. Der Schwärzungsgrad, den die Océ Demandstream bei einem wirklich randscharfen Druck bringt, ist sehr gut, ebenso ihre Widerdruckfindung. Halbtonbilder lassen sich bei autotypischer Rasterung in einer erstaunlich hohen Qualität wiedergeben.“ In puncto Bedruckstoffe geht der Trend geht weiter zu den Leichtgewichten. „Vor rund einem Jahr haben wir der Hoffnung Ausdruck verliehen, auf 40-Gramm-Papier sicher produzieren zu können. Inzwischen ist das unser tägliches Brot.“ Üblicherweise liefern die Kundenverlage druckfähige Datenbestände in Form von PDF- bzw. PostScript-Dateien. Die digitalen Inhalte werden an die Prisma+ PODServerkonfiguration der Océ Demandstream übertragen. Auf diesem Server arbeitet die von Océ speziell für den digitalen Werkdruck adaptierte Software, die die hereinkommenden Dateien zunächst rippt und danach die weiteren Produktionsschritte unterstützt. So werden die Seiten zusammengestellt, feste und variable Elemente definiert und schließlich die Druckmarken wie Flattermarken und Beschnittzeichen gesetzt. Eine gute Auslastung befruchtete Überlegungen zur Aufrüstung des Océ-Digitaldrucksystems. Die seitherige Demandstream 8070 web mit einem Ausstoß von 290 A4-Seiten pro Minute wurde zur Demandstream 8080 web mit fast verdoppelter Druckleistung. Das Prisma+ PODServersystem erfuhr insofern eine Anpassung an den höheren Leistungsbedarf, als ein neuer, Windows NT-basierter Unity- RIP integriert und der Gesamtkomplex über einen dedizierten Master-Fileserver mit Printspooler-Funktion entzerrt wurde. Dritter im Bunde ist ein Printserver, der ie fertigen Druckdaten bereithält und für die Kommunikation zwischen Prisma+ PoD und dem Océ Demandstream web- Drucksystem sorgt. Bis zu 3.500 Seiten pro Band und bis zu 20.000 Seiten pro komplett überarbeitetem Grundwerk brauchen für die Mengenproduktion deutlich höhere Kapazitäten.
Angesichts des Quantensprungs von 290 auf 470 Seiten pro Minute und von ein auf zweischichtige Auslastung, kann die Frage nach Zukunftsplänen nicht ausbleiben. Die Antwort unisono: Irgend wann wird sich die Frage nach einer dritten Schicht oder nach einer schnelleren Maschine stellen ... |