Bis vor fünf Jahren wusste Roland Reimer eigentlich nicht, was Digitaldruck ist. Damals produzierte der Druckereileiter des Directa Buldt Fachverlages in Stockelsdorf die verlagseigenen Lehr- und Übungsbücher für Berufsschüler über einen Risographen, mit „gerade noch erträglicher Qualität“, wie er heute sagt. Anders waren die Kleinauflagen, die sich aus den häufigen Inhaltsänderungen ergeben, wirtschaftlich nicht machbar. 1997 entdeckte er die Océ 3165, seitdem setzt Roland Reimer auf Digitaldruck. Heute führt er die Druckerei als erfolgreiches Profit-Center des Verlages in der Lübecker Straße 8 in Bad Schwartau. Und obwohl die Buchbestellungen beständig zunehmen, macht das Geschäft mit dem Directa Buldt Verlag nur 50% seines Umsatzes aus. Die andere Hälfte bringen externe Kunden, darunter viele Privatleute. Ihr Wunsch: Sie wollen das eigene Buch drucken.
Der Anfang: Book-on-Demand für den Directa-Verlag Der Directa Buldt Fachverlag produziert Schulbücher für die Handwerksausbildung. Die Berufsschüler erarbeiten sich mit den Lernmaterialien die fachlichen Inhalte ihres künftigen Berufes. Die Inhalte müssen stets auf dem neuesten Stand sein und den Prüfungsanforderungen der Berufsschulen entsprechen. „Also nutzen wir die Möglichkeiten des Digitaldrucks und produzieren immer nur so viele Bücher, wie aktuell gerade benötigt werden.“ Die Daten liegen in der Druckerei vor, wann immer sich Änderungen ergeben, werden sie eingepflegt, schon die nächste Lieferung ist inhaltlich auf dem neuesten Stand. Eine Océ DPS400 produziert die rund 350 Seiten starken, klebegebundenen DIN-A4-Bücher; die Umschläge druckt eine Océ CPS700.
Einmal auf den Geschmack gekommen, wollte Reimer sich nicht allein auf die verlagseigenen Publikationen beschränken. „Vielleicht gibt es ja einen Markt für die digitale Buchproduktion“, dachte er sich, zog in ein Ladenlokal in der Einkaufsstraße von Bad Schwartau und begann, das Konzept zu vermarkten. Seine Zielgruppe waren andere Verlage sowie größere Unternehmen, die beispielsweise bei Handbüchern auf Kleinauflagen setzen. Seine ersten Kunden aber waren Privatleute, angelockt durch ein Plakat in seinem Schaufenster. „Sie haben ein Buchgeschrieben und möchten es drucken lassen“, steht dort. „Bei uns geht das so.“
Der Erfolg: BoD für jedermann „Vielleicht ist es eine Besonderheit in einem ländlichen Raum“, versucht Reimer den Erfolg seines BoD-Konzeptes zu erklären, „aber hier gibt es einen gigantischen Markt für Bücher, die von Privatleuten geschrieben und dann in Kleinstauflage für Freunde und Bekannte produziert werden. Hier haben die Menscheneine größere innere Ruhe, nehmen mehr wahr und lassen andere stärker am eigenen Leben teilnehmen – eben auch über ein selbst geschriebenes Buch.“ Die Bandbreite reicht vom Handbuch für den Yachtbau über Kinderbücher und Erinnerungen bis zum Thriller. Jüngste Erfolgsgeschichte ist ein Kochbuch, das Hausfrauen eines benachbarte Dorfes zusammengetragen haben. „Die haben in ihren eigenen Rezepten gekramt und andere nach typischen Gerichten der Gegend gefragt“, erinnert sich Reimer. Aus der Anfrage, ob er die Sammlung für den Landfrauenkreis kopieren könne, entstand die Idee, ein landestypisches Kochbuch zu machen. „Wir haben aus Kostengründen nichts an den Vorlagen geändert, sondern sie so gelassen, wie sie sind.“ Die Rezepte wurden über eine Océ 3165 gescannt und liegen in der Mailbox zum Ausdruck bereit. „Das ist ein Bestseller geworden“, schmunzelt Reimer, „jede Woche kommt eine Nachbestellung, in den ersten zwei Monaten haben wir schon 400 Stück gedruckt.“
Das Geheimnis: Beratung Der Normalfall allerdings sind nicht Papiervorlagen, sondern elektronische Daten, denn auch Privatleute schreiben ihr Buch zumeist auf dem Computer. Und in solchen Fällen wird aus dem Druckdienstleister erst einmal ein Berater. „In den wenigsten Fällen sind die Daten so aufbereitet, dass wir sie sofort drucken können“, hat Roland Reimer festgestellt. Also muss er mit den Kunden über Druckvorstufe, DTP und die dabei entstehenden Kosten sprechen und deutlich machen, was geht, was nicht und was nur mit viel Zeitaufwand möglich ist.
Das System: Océ Document Production Centre Die Kosten für Druck und Weiterverarbeitung kann er seinen Kunden im Vorfeld auf den Cent genau sagen, für die Druckvorstufe muss ein Kostenvoranschlag genügen, der auf Erfahrungswerten beruht. „Wenn der Kunde es will und bezahlt, machen wir ihm das gesamte Layout,aberunser eigentliches Ziel ist es, druckfähige PDF-Daten zu bekommen.“ Das klappt mittlerweile in 75% aller Fälle, nicht zuletzt dank intensiver Beratung. Gedruckt wird dann über ein Océ Document Production Centre, bestehend aus einer Océ DPS400, zwei Océ 3165, einer Océ CPS700 und Océ Doc Works. Océ @ Directa Digital Print. |