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Loseblattwerke auf die etwas andere Art
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Mit Océ-Digitaldruck von 0 auf 4.000 Seiten in einem Durchgang
Das Drucken von Büchern hat in der Nördlinger Innenstadt eine lange Tradition. Die teils historischen Betriebsgebäude der Druckerei C.H. Beck können dem flüchtigen Betrachter ein falsches Bild vermitteln, denn das Geschehen im Stammhaus der renommierten Druckerei steht im Zeichen modernster Produktionsverfahren. Ob Print- oder Onlinemedien oder Verlagsobjekte in multimedialer Ausprägung, bei der Druckerei C.H. Beck alltägliche Routine.
Reaktion auf veränderte Marktbedigungen
Bei der Druckerei C. H. Beck in Nördlingen bereichert neuerdings der flexible Hochleistungs-Digitaldruck die Bandbreite der fertigungstechnischen Möglichkeiten für Loseblattwerke und Bücher. Ein Océ Demandstream 8080 web-Zwillingsdrucksystem ist nun, eingebettet in eine speziell konfigurierte Fertigungslinie, für die wirtschaftliche Herstellung von umfangstarken Loseblattwerken und Ergänzungslieferungen im Dünndruckbereich im Einsatz.
Mit dem Océ-Digitaldrucksystem kann das Unternehmen dem Auflagenrisiko, dem immensen Sortier- und Konfektionieraufwand sowie der kostenträchtigen Lagerhaltung dieser fachspezifischen Publikationen Paroli bieten und Neubzw. Nachauflagen binnen kürzester Zeit drucken. Der Print-on-Demand-Digitaldruck, der keinen Film, Druckplatten und besonderen Umrüstaufwand erfordert, komplettiert den Bogen- und Rollenoffsetdruck. Mit dem neuen Druckverfahren kann das renommierte Haus besser auf besondere Kundenwünsche eingehen, und für beide Seiten ergeben sich Kosten- und Handhabungsvorteile.
Die Druckerei C. H. Beck unterhält in Nördlingen sowohl das im Stadzentrum angesiedelte Stammhaus als auch ein Werk, das vor den Toren der historischen Reichsstadt liegt. Während der Hauptsitz des C. H. Beck Verlages – und damit der heutigen Beck-Verlagsgruppe – schon 1889 nach München verlegt wurde, verblieb die Druckerei, die heute insgesamt rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, im bayerischen Schwaben. Im innerstädtischen Stammwerk sind die gesamte Druckvorstufe mit Setzerei, der Bogenoffsetdruck und eine umfangreiche Multimediaproduktion konzentriert. Das ausgesiedelte Werk 2 mit angegliederter Verlagsauslieferung des Beck Verlages beherbergt den bücherorientierten Rollenoffsetdruck sowie eine groß angelegte Druckweiterverarbeitung und Taschenbuchfertigung. Neben den Loseblattwerken bilden Bücher und Zeitschriften, die alle im Auftrag zahlreicher Verlage produziert werden, die Schwerpunkte bei den Printmedien.
 
Niedrige Auflagen und aktuelle Ausgaben
Ausschlaggebend für die Erweiterung der Loseblatt-Produktionstechnik mithilfe des Océ-Digitaldrucksystems war der Trend zu immer kürzeren Aktualisierungsintervallen und die Situation bei den Auflagen der Loseblattwerke. Alleine der Beck Verlag gibt über 100 verschiedene Grundwerke heraus, wobei es sich zum überwiegenden Teil um juristische Texte und Literatur handelt. Je nach fachspezifischem Themengebiet liegen die Gesamtauflagen zwischen etwa 1.000 und 20.000 Exemplaren. Durch die hohen Fixkosten im Offsetdruck hatte man in der Vergangenheit meist in Auflagenhöhen produziert, die nur über mehrere Jahre abverkauft werden konnten. Von den Konsequenzen wissen einschlägige Verlage und Druckereien ein Lied zu singen: volle Lager, gebundenes Kapital und ein beträchtlicher Arbeits- und Kostenaufwand für das Nachsortieren von Aktualisierungen (Nachlieferungen) in den Grundwerken. Der Wunsch, Loseblattwerke in kleinen Auflagen ohne die aufwändige Druckformherstellung, Einrichtmakulatur und Maschinenrüstzeiten des Offsetdrucks herzustellen, konkretisierte sich.
Nur der Digitaldruck konnte die Möglichkeit eröffnen, die Loseblattwerke quasi „aus dem Stand“ in der jeweils aktuell benötigten Menge zu drucken – und zwar dank des dynamischen Druckbildwechsels immer als vollständige Exemplare nacheinander. Ferner versprach diese Technik, die Mühsal der händischen Sortierarbeit vergessen zu machen, indem diese Funktion in die immaterielle Phase der unmittelbaren digitalen Druckvorbereitung verlagert werden konnte. „Die Entwicklung des Digitaldrucks haben wir rund vier Jahre lang genau verfolgt. Der richtige Zeitpunkt für den Einstieg war gekommen, als endlich auch hochwertige Dünndruckpapiere mit Flächengewichten bis hinab zu 36 g/m² in hoher Qualität, sprich mit einer in jeder Hinsicht überzeugenden Wiedergabe der teilweise sehr kleinen Schriften bedruckt werden konnten“, gibt der Bereichsleiter Druck Uwe Bauhammer zu Protokoll.
 
Die Investitionsentscheider konkretisierten die Aufgabenstellung: Grundwerke und Ergänzungslieferungen sollten in einem vollautomatischen Fertigungsprozess entstehen, d.h. gedruckt, mit Abheftlochungen versehen, endbeschnitten und als fertige Buchblocks ausgelegt. Außerdem musste die Inline-Druck- und Verarbeitungstechnik für die loseblatttypischen Formate (ca. 115 x 155 mm bis A4) und Umfänge von 25 bis über 4.000 Seiten ausgelegt sein. Und für die Aufbereitung der Druckdaten war ein PDF-Workflow erwünscht, der sich nahtlos an die vorgelagerten Satzund Datenmanagementsysteme anfügt.
Was die Digitaldrucktechnik betrifft, führte der durch die Beck’schen Vorgaben hinsichtlich Qualität, Leistung, Robustheit und Workflow Kompatibilität vorgezeichnete Weg zu Océ. In Nördlingen produziert heute eine in dieser Form einmalige Print-on-Demand-Produktionsstraße. Das eingebundene Océ Demandstream 8080 web-Zwillingsdrucksystem hat eine Druckleistung von 940 DIN A5- Seiten pro Minute im Duplexbetrieb. Die maximale Papierbahnbreite beträgt 463,5 mm, die maximale Druckbreite 460 mm. Gängige Bahnbreiten sind bei dem Unternehmen 350, 400 und 460 mm, die je nach Format des Endprodukts zu drei Nutzen stehend (Laufrichtung parallel zur langen Formatseite) oder zwei Nutzen liegend gedruckt werden. Die Papierbahnabrollung und sämtliche Inline-Weiterverarbeitungsaggregate wurden auf Idee und Anregung der Druckerei C. H. Beck von der Freiburger Maschinenbaufirma Ehret Control GmbH entwickelt und gebaut. Ob Auflage 20 oder 500, Umfang 250 oder 4.000 Seiten: Auch wenn es ganz dick kommt, handelt es sich bei den Endprodukten immer um abheftfertige, geschnittene und gelochte Buchblocks.
Auf der L-förmig angeordneten Anlage werden vorrangig Papiere mit 36, 40 oder 50 g/m2 verarbeitet, gleichwohl sind Qualitäten bis 160 g/m2 verwendbar. An die Abrollung schließt sich die erste Demandstream 8080 web-Druckeinheit an. Hier wird die obere Seite der Bahn mittels elektrofotografischer LED-Technologie (600 dpi) und Wärmedruckfixierung des Toners bedruckt. Nach einer 90°-Umlenkung mit einfacher Wendung passiert die Bahn die zweite Druckeinheit für den rückseitigen Druck. Dabei wird das Schön- und Widerdruckregister durch die optoelektronische Abtastung mitgedruckter Registermarken eingehalten. Dann läuft das Papier durch einen Schlaufenspeicher mit drei Tänzerrollen, der eventuelle Geschwindigkeitschwankungen abpuffert, bevor eine E+L Bahnkantensteuerung die frisch bedruckte Papierbahn für die Weiterverarbeitungsstrecke exakt ausrichtet. Es folgen eine Abheftlochstation, Kreismesser für den Längsschnitt und die Randbesäumung (mit Absaugung der Papierstreifen), eine Querschnitttrommel mit Schuppenstrombildner und die Stapelbildung sowie Auslage der Buchblöcke. Die Besonderheit dieser Produktionsweise: Da der Block nicht erst als Ganzes beschnitten und gebohrt wird, kommt es bei jedem einzelnen Blatt auf eine hohe Genauigkeit des Schnitts und der Lochung an.
 
Vorteile, die auf der Hand liegen
Die Qualitätsansprüche sind hoch gesteckt. Die von C. H. Beck an Océ als Hersteller der Digitaldrucktechnik wie auch diejenigen der Kundschaft an Beck als Lieferant von Drucksachen. „Als wir in der Lage waren, die hohen qualitativen Anforderungen unserer Kunden zu erfüllen, war die Resonanz sehr positiv.“ Ernst Zoller, kaufmännischer Leiter der Druckerei C. H. Beck, muss gegenüber seinen Kunden keine komplizierte Argumentation bemühen: „Die Kostenersparnis ist nicht von der Hand zu weisen. Die Möglichkeit spezialisierte Produkte in kleinen Auflagen für segmentierte Kundengruppen zu verlegen, bietet neue Perspektiven. Denkbar sind auch kleine Vorauflagen im Digitaldruck als Markttest, um dann mit höheren Stückzahlen im Offsetdruck nachzuproduzieren. Oder andersherum: eine größere Vorauflage und der Nachdruck je nach Abverkauf des Produktes.“ Ab wann sich der Digitaldruck rentiere, sei stark vom konkreten Objekt abhängig. Unschlagbar sei das Verfahren jedenfalls, wenn Chargen mit 20 bis 500 Stück anstünden.
Eine besondere Anforderung an den digitalen Workflow stellt sich angesichts der gewaltigen Umfänge der teils mehrbändigen Loseblattwerke und den damit einhergehenden Datenmengen. Ein Hauptcharakterzug der bei C. H. Beck produzierten Werke ist, dass ihre digitalen Abbilder, die das Digitaldrucksystem zu verarbeiten hat, aus kleinen Einzeldateien besteht. Aus sehr vielen: die beiden Seiten eines jeden Blattes werden als einzelne PDF-Datei in ein Datenkonvolut gestellt und dem Prisma+ POD genannten RIP- und Printserversystem des Océ-Drucksystems zugeleitet. Ein Werk mit beispielsweise 4.000 Seiten Umfang entsteht somit aus 2.000 einzelnen PDFs. Diese ungewöhnlich starke Aufgliederung schafft maximalen Spielraum für entsprechende Aktualisierungsänderungen und den Austausch ganzer Kapitel im unmittelbaren Vorfeld des Digitaldrucks.

Der Digitaldruck erhält die PDF-Dateien von der Druckvorstufen- bzw. Satzabteilung über einen zentralen Server zur Verfügung gestellt. Nach dem Eingang nimmt der Systembediener letzte Überprüfungen und Korrekturen in dem Programm Enfocus PitStop vor. Dabei geht es im Wesentlichen um die genaue, satzspiegelkonforme Platzierung der Texte und Tabellen auf dem Seitenformat. Kontrolliert werden die Jobs außerdem auf Vollständigkeit und korrekte Seitenreihenfolge. Dann erfolgt die Jobticket-gesteuerte Verarbeitung der optimierten PDF-Dateien im Océ Prisma+POD-System. Ein direkt mit dem Prisma-Printserver verbundener Océ Unity-RIP rippt die PDFs in das interne IOCA-Format des Digitaldrucksystems. Nach dem nutzenorientierten elektronischen Ausschießen sind die druckreifen Daten bereit für die vollautomatische Produktion.
Bedient wird die ganze Anlage von einem qualifizierten Systemoperator, der sich einerseits um die Optimierung der PDFs kümmert und die Hoheit über das Prisma+ POD-System hat, andererseits auch die unvermeidlichen Einstellungen an den Druckeinheiten und – vor allem – den Papiernachverarbeitungsaggregaten beherrscht. Diesem Allrounder steht noch eine Hilfskraft zur Seite, in erster Linie für das Entnehmen und Abheften der fertigen Blattstapel.
Die fertigen Océ-Druckdateien einschließlich Jobtickets können auf einem beigestellte Reprint-Archivierungsserver vorgehalten werden. Dabei kommt natürlich einiges an Datenvolumen zusammen. Beispielsweise bringt es ein 1.750 Seiten starkes Werk im Format 147 x 191 mm, G4-komprimiert, auf rund 160 MB. Die so hinterlegten Druckdateien sind bereits vollständig aufbereitet und lassen sich quasi „aus dem Stand“ auf die Fertigungsstraße schicken. Damit kann der Digitaldruck eine weitere intrinsische Stärke zur Geltung bringen: die Just-in-Time-Produktion.
Trotz der Begeisterung für die hoch automatisierte Technik bleibt Ernst Zoller sachlich: „Für unsere Kunden ist der Digitaldruck kein Fremdwort mehr. Sie erwarten pragmatische Lösungsvorschläge für ihre geplanten Projekte. Hier bieten wir gute Beratung, damit wir die gewonnene Flexibilität im Sinne unserer Kunden umsetzen können.“
 
 
 
 
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