Dass der Digitaldruck per se noch keine Kosten spart, wissen Roland und Andreas Blank, die Geschäftsführer von ADN Offsetdruck, schon lange. Über die Drucktechnik hinausgehende Konzepte müssen her, die Produktionsumgebung passen, der Bedarf auf Kundenseite vorhanden sein und letztlich auch die Vermarktung stimmen. Was sich in der theoretischen Betrachtung als aufwändiger Prozess darstellt, vollzog sich im idyllisch gelegenen Battenberg (Ederbergland) ohne Pauken und Trompeten: Eine Offsetdruckerei analysiert zusammen mit einem Großkunden die vorhandene Auftragsstruktur und kommt zu dem Schluss, dass der Digitaldruck das richtige Werkzeug ist, um bestimmte Produktgruppen effizienter und wirtschaftlicher zu produzieren. Kein Wunder, benötigt der Hersteller von Heiztechnik doch die vielen Sprachversionen seiner Installations-, Bedienungs-und Reparaturanleitungen in relativ kleinen Mengen. Selbstverständlich muss in diesen Dokumenten immer alles auf dem neuesten Stand sein. Derlei Anforderungen bringen automatisch kürzere Aktualisierungszyklen mit sich. Außerdem sollen mit einer produktions- nahen Lieferung der Schriftstücke Lagerkosten eliminiert werden. Der Großkunde senkt Kosten und optimiert die Materiallogistik; ADN Offsetdruck modernisiert seine Produktionstechnik und rüstet sich für die Herausforderungen der Zukunft.
Vom Hobby zum seriösen Business ADN Offsetdruck wurde im April 1992 aus der Taufe gehoben. Ort des Geschehens: Auf einer kleinformatigen Offsetdruckmaschine begannen die Brüder Andreas und Roland Blank nach Feierabend Überhänge einer befreundeten Druckerei abzuarbeiten. Schon ein Jahr später hatte besagte Druckerei keine Aufträge mehr zu vergeben, aber die frisch gebackenen Druckereiunternehmer einen neuen Kunden: die Viessmann Werke im nahen Allendorf/Eder. Der Nebenerwerb verwandelte sich in ein ernstes Geschäft. Im Jahr 1995 wurde ADN Offsetdruck mit dem Umzug in größere Räumlichkeiten zum Arbeitgeber.
Durch ein stetig steigendes Auftragsvolumen und wachsendes gegenseitiges Vertrauen intensivierte sich die Zusammenarbeit zwischen ADN und Viessmann. Nur ein Jahr später übernahm das junge Unternehmen die Hausdruckerei seines größten Kunden samt Mitarbeitern und Maschinenpark.
Eine neuerliche Vertiefung erfuhr die Geschäftsbeziehung zu Viessmann durch die Übernahme des Druckvolumens für die technischen Unterlagen aller Export-Produkte. Dieser Posten sollte in den darauffolgenden Jahren auf Grund des Wachstums bei den Sprachversionen von anfänglich sechs auf mittlerweile 25 Sprachen stark zulegen.
Die Einstellung eines Außendienstmitarbeiters und verstärkte Aktivitäten der Geschäftsführung hatten auch ein Anschwellen des Auftragsvolumens außerhalb der Produktion von technischen Dokumentationen zur Folge.Kunden aus der Umgebung ordern ihre Geschäftsunterlagen und Drucksachen zunehmend bei ADN. Mittlerweile hat die Druckerei 25 fest angestellte Mitarbeiter, die bei Bedarf noch durch Aushilfskräfte verstärkt werden. Vor dem Druck kümmert sich die Prepress-Abteilung von ADN auch um grafische Entwurfs- sowie Layout-und Satzarbeiten. Für den Offsetdruck stehen sechs Ein-und Zweifarbenmaschinen zur Verfügung, mit DIN B3 als dominierendem Format .
Globalisierung belebt den Druck Im Lauf der Jahre explodierte die Vielfalt der technischen Dokumentationen geradezu, angetrieben durch den erwähnten Zuwachs beim Exportgeschäft und ein immer differenzierteres Produktprogramm des Heiztechnik-Herstellers. Die produktspezifischen Anleitungen haben das Endformat DIN A5 und werden, sofern der Umfang vier Seiten übersteigt, zu gehefteten Broschüren gefertigt.Die Umfänge betragen bis zu 200 Seiten, die Auflagen bewegen sich zwischen 50 und im Extrem 30.000 Exemplaren, wobei die deutschsprachigen Ausgaben meist in Größenordnungen zwischen 3.000 und 5.000 Stück herzustellen sind. Aber gerade die Dokumentationen für die Exportprodukte, die typischerweise in Losgrößen zwischen 50 und 500 Stück anfallen, brachten den Digitaldruck ins Spiel. So beschlossen die ADN-Geschäftsführer im Jahr 2002, diesen in die Investitionsplanung mit aufzunehmen. Recherchen wirtschaftlicher und technischer Natur untermauerten erste Annahmen mit harten Fakten: Die kleinen Auflagen der Betriebsanleitungen lassen sich per Digitaldruck kostengünstiger, qualitativ jedoch dem Offsetverfahren ebenbürtig, bewältigen.
Nachdem relevante Systemlösungen aller bedeutenden Anbieter von Digitaldrucktechnik getestet waren, entschied sich ADN für die Océ VarioPrint 2090. Dazu Roland Blank: „Viessmann legt besonders großen Wert auf die Umschläge seiner Dokumentationen. Hier erscheinen Realbilder der Heizkessel oder Apparate. Die Produktfotos sollen natürlich besonders schön aussehen. Von allen angebotenen Systemen bietet die Océ VarioPrint 2090 mit Abstand die beste Bildqualität. Außerdem muss das Seitenregister stimmen, d.h.der Stand der Vorder- zu den Rückseiten muss deckungsgleich sein, was bei dem Océ-System der Fall ist.Ein weiterer ausschlaggebender Faktor für den Kauf der Océ VarioPrint war für uns das durchgängige Qualitätsniveau von der ersten bis zur letzten gedruckten Seite.“
Océ kann es Seit Juli 2003 wird in Battenberg mit dem multifunktionalen Océ-Digitaldruck-und Kopiersystem produziert. Das elektrofotografische LED-Drucksystem bietet im einseitigen wie im Duplex-Druck eine Leistung von 170 DIN-A5-Seiten pro Minute. Für sämtliche Viessmann-Broschüren – Inhalt wie Umschläge – kommt hauptsächlich ein 80-g-Offsetpapier im A3-Format zum Einsatz. Dennoch ist es von Vorteil, dass die Océ VarioPrint 2090 vier Papierfächer für insgesamt 4.600 Blatt hat, weil leere Fächer während des Betriebes schnell nachfüllbar sind.
Neu zu druckende Dokumentationen gehen bei ADN Offsetdruck per ISDN- Übertragung in Form druckfertiger PDF- Dateien ein. Die ADN-Druckvorstufenabteilung verarbeitet diese Daten in einem reinen PDF-Workflow weiter, d.h. die Seiten werden im Ausschießprogramm Quite Imposing digital in A3-Formen montiert und anschließend zum Océ- Digitaldrucksystem geschickt. Statt exemplarweise (sortiert) werden die Jobs bogenweise in der benötigten Auflage gedruckt. Die Weiterverarbeitung zu fertigen Broschüren erfolgt nach einem Trennschnitt auf separaten Maschinen. Hierfür steht u.a. eine Zusammentragmaschine mit 2 x 10 Anlegestationen und anschließender Heft/Falz-und Schneideinrichtung zur Verfügung.
Etwa acht bis zehn Millionen DIN-A5-Seiten wird die Océ VarioPrint 2090 bis Ende 2003 produziert haben; für das nächste Jahr sind schon 20 Millionen geplant. Geändert hat sich seit Einführung des Digitaldrucks einiges: Auflagen, die noch eindeutig in den Offsetbereich fielen, werden zunehmend in Digitaldruck-kompatible Mengen von weniger als 500 Stück gesplittet. Die Unterlagen für den Viessmann-Exportbereich entstehen nur mehr digital. Außerdem wird die Zeit zwischen Auftragseingang und Auslieferung immer kürzer. Wo früher eine Produktion binnen Wochenfrist möglich war, kann heute der Vorlauf nur noch wenige Tage, im Extremfall sogar nur wenige Stunden betragen: Morgens um sieben telefonisch abgerufen, müssen die Kleinauflagen auch mal bis zehn Uhr geliefert sein. Bei diesem Just-in-time-Geschäft gibt es zum Digitaldruck keine andere Produktionsalternative.
Eine direkte Anbindung an das SAP-System von Viessmann zur Automatisierung der Bestellprozeduren ist in Planung und wird in näherer Zukunft realisiert werden. Bis dahin muss die Zusammenstellung der tagesaktuellen To-Do-Listen noch halb manuell von statten gehen. Die diversen Objekte wie Montageanleitungen oder Betriebsanweisungen haben eine siebenstellige Sachnummer, anhand der festgestellt werden kann, wo sich die Daten befinden. Diese Kennnummer steht auf der Bestellung zusammen mit
der gewünschten Stückzahl. Daten für unveränderte Nachdrucke hält ADN in Form von PDF-Dateien für den Großkunden vor. Handelt es sich jedoch um gänzlich neue Broschüren, erhält die Viessmann-Qualitätssicherung vor dem ersten Auflagendruck Probeexemplare, anhand derer dann die Freigabe für den Seriendruck erteilt wird.
Keimzelle für neues Geschäft Dass die Océ VarioPrint 2090 bei dem Unternehmen von einem ausgebildeten Offsetdrucker bedient wird, scheint auf den ersten Blick eigentlich unnötig. Die Bedienungsoberfläche ist einfach strukturiert und für jedermann intuitiv zugänglich. Die Océ-Maschine hat sich überdies als gering störungsanfällig und betriebsstabil erwiesen. Und doch soll sich der Einsatz des Fachmanns für ADN Offsetdruck in Zukunft auszahlen: Das Aufstellen einer weiteren Océ VarioPrint ist geplant. Dann muss es einen geben, der Bescheid weiß, der eine ganze Digitaldruckabteilung leiten kann und kompetenter Ansprechpartner für alle Hilfskräfte ist. Weiteres Wachstumspotenzial für Digitaldruckaufträge jenseits der technischen Dokumentationen sehen die Brüder Blank in zielgruppenspezifischen Angebotspaketen, etwa für Kliniken und Kurzentren, und im variablen Datendruck für unterschiedliche Anwendungen. Auch vor Unkonventionellem schrecken die Unternehmer nicht zurück: Ein bereits erfolgreich getesteter Einsatzzweck der Océ VarioPrint 2090 ist das Bedrucken von speziellen Folien. Daraus bestehen nämlich heute die Typenschilder auf den Viessmann-Produkten. Jedes dieser Schilder ist bedingt durch die Seriennummer und weitere individuelle Informationen ein Unikat – und damit ein Paradebeispiel für den Druck variabler Informationen.
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